Jeder von uns hat sozu­sa­gen ein Geber- und ein Nehmerherz.
Für mich, Mar­tin, gibt es nichts Schö­ne­res und Erfül­len­de­res, als wenn ich spü­re, wie sich Son­ja in mei­ner Gegen­wart wohl fühlt und dass sie durch mein Zutun glück­lich ist. Auch Son­ja liegt das Geben von Natur aus mehr als das Neh­men. Das sind grund­sätz­lich tol­le Vor­aus­set­zun­gen für eine Bezie­hung. Den­noch hat die­ser Umstand unser Mit­ein­an­der ein­tö­nig und fad wer­den las­sen, bis wir bei einem ME-The­men­wo­chen­en­de her­aus­ge­fun­den haben, was da in uns abläuft.

Wenn sich z.B. am Wochen­en­de die Fra­ge gestellt hat, was wir mit unse­rer Frei­zeit anstel­len, haben wir uns die Ent­schei­dung oft so lan­ge gegen­sei­tig zuge­scho­ben, bis wir letz­ten Endes gar nichts gemacht haben. Der Hin­ter­grund war unser gro­ßes Geber­herz. Es soll­te unbe­dingt für den ande­ren pas­sen und sel­ber sind wir ja “nicht so anspruchsvoll”.

Oder ein ande­res Bei­spiel: Wenn Son­ja gefragt hat, ob ich heu­te zu Mit­tag lie­ber Schnit­zel oder Spa­ghet­ti möch­te, habe ich meis­tens gesagt: „Mir ist alles recht“.
Das Pro­blem dabei: Es war total schwie­rig, uns gegen­sei­tig mit irgend­et­was eine Freu­de zu machen, weil unser Neh­mer­herz so ver­schlos­sen war. Die klei­nen Auf­merk­sam­kei­ten sind dadurch mit der Zeit weni­ger gewor­den, weil sie beim Part­ner ohne­hin nicht ange­kom­men sind. Durch das ein­sei­ti­ge Geber­herz und das ver­küm­mer­te Neh­mer­herz, das wir bei­de hat­ten, ist unse­re Bezie­hung zum Trott geworden.

Jetzt wis­sen wir, dass das Neh­mer­herz min­des­tens so wich­tig ist wie das Geber­herz. Des­halb üben wir ganz bewusst, die klei­nen Auf­merk­sam­kei­ten des Part­ners / der Part­ne­rin anzu­neh­men, uns dar­an zu freu­en und die­se Freu­de auch zu zeigen.
Wir erle­ben unse­re Bezie­hung nun wie­der wie ein leben­di­ges Was­ser – rau­schend, kraft­voll, schön und lebensspendend.

Mar­tin und Sonja